Zum Inhalt springen

PRAXIS Funk an Bord

PRAXIS Funk an Bord

Der heiße Draht

Ist ein Funkgerät an Bord sinnvoll oder nicht? Welche Vorteile bietet uns der Schifffahrtsfunk? Wer sollte ein Funkgerät an Bord haben und welche Voraussetzungen sind dafür nötig? Muss man vor den Prüfungen zu den Sprechfunkzeugnissen Angst haben? Diesen und anderen Fragen rund um das Thema Funk an Bord sind wir einmal nachgegangen…

Eine auf den ersten Blick schier unübersichtliche Wust an Gesetzen, Verordnungen, Bestimmungen und Merkblättern macht das Thema Bordfunk unter Skippern immer wieder zum Gesprächsthema. Jedoch wird die Suppe nicht so heiß gegessen wie sie gekocht wird. Sportbootbesitzer die ihre Freizeitboote mit Funk ausstatten möchten, können das in der Regel problemlos tun, wenn sie die dafür erforderlichen gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Den rechtliche Rahmen zum UKW-Sprechfunkzeugnis für den Binnenschifffahrtsfunk (UBI) regeln die “Binnenschifffahrt-Sprechfunkverordnung” (BinSchSprFunkV), sowie die “Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung” (BinSchStrO). Der Rahmen für den mobilen Seefunkdienst ist wiederum in der “Schiffssicherheitsverordnung” (SchSV) geregelt.

Doch zunächst wollen wir der Frage nachgehen, ob Funk an Bord sinnvoll ist oder nicht? Britt Schulze-Sandow (58) von der Yachtschule Schulze-Sandow (www.maritime-radiosignale.de) erklärt.: “Funk an Bord kann Leben retten und uns in Notfällen helfen, wenn kein Telefon mehr zur Verfügung steht. Doch auch um die Leichtigkeit des Schiffsverkehrs zu gewährleisten ist Bordfunk eine wichtige Ausrüstungsergänzung. So können wir den Schleusenfunk nutzen, um uns vor Schleusen über Funk anzumelden. Vor jeder Schleuse weisen uns Gebotszeichen daraufhin, Sprechfunk über einen angegebenen Kanal zu benutzen. So kündigen wir uns seemännisch rechtzeitig beim Schleusenpersonal an und Schleusenwärter halten in der Regel viel von dieser Art der Anmeldung.

Bei der Passage enger Kanal- oder Flussabschnitte können wir uns über den Kanal 10 bemerkbar machen und erfahren auf dem gleichen Kanal auch, ob uns vielleicht Schiffe und Schubverbände der Berufsschifffahrt entgegenkommen, Diese Informationen können an engen Stellen wie zum Beispiel im Sacrow-Paretzer-Kanal zwischen Potsdam und Brandenburg sehr nützlich sein. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass wir mit einem freiwillig an Bord installierten UKW-Sprechfunkgerät einer Funkbenutzungspflicht unterliegen und im Verkehrskreis Schiff-Schiff stets Sende- und Empfangsbereitschaft halten müssen. Haben wir Funk an Bord, muss unser Funkgerät auch benutzt werden! Des weiteren unterliegen immer wieder einzelne Wasserstraßenabschnitte auf Grund von Bauarbeiten oder hoher Verkehrsdichte bestimmten Verkehrsvorschriften. So ist das Befahren der Spree-Oder-Wasserstraße (Berliner Stadtspree am Kanzleramt) zwischen Lessingbrücke und Schleuse Mühlendamm täglich von 10:30 Uhr bis 19:00 Uhr nur Fahrzeugen gestattet, die mit UKW-Sprechfunkgerät ausgestattet sind. Ein Funkgerät an Bord lohnt sich also immer und wer sich darauf einlässt wird irgendwann viel Freude daran haben.”

In diesem Zusammenhang wollen wir auf die immer wieder gestellte Frage eingehen, warum Binnen-Charterboote nicht mit Funk ausgestattet sind? Ein Funkgerät an Bord bedeutet, dass der Skipper das Gerät bedienen kann und über ein entsprechendes Funkzeugnis verfügt. Funken darf nur, wer einen Funkschein hat. Außerdem heißt es in der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung (Abschnitt II-Sprechfunk, § 4.05 Sprechfunk, Punkt 4): “Jedes mit einer Sprechfunkanlage ausgerüstete Fahrzeug muss sich vor Einfahrt in unübersichtliche Strecken, Fahrwasserengen oder Brückenöffnungen auf dem für den Verkehrskreis Schiff-Schiff zugewiesenen Kanal melden.” Wer Funk an Bord hat muss also auch funken! Da Vercharterer jedoch nicht davon ausgehen können, dass jeder Chartergast auch einen Funkschein hat, bleiben die Geräte außen vor und werden nicht installiert. Anders sieht es auf (internationalen) Seegewässern aus. Dort muss bei der Anmietung eines Charterbootes meist sogar ein Sportbootführerschein Küste (SKS) vorgelegt werden, dessen Inhaber zum Erwerb des Sprechfunkzeugnisses SRC (Short Range Certificate) verpflichtet sind. Das SRC ist wiederum erforderlich, wenn man am Seefunkdienst im weltweiten Seenot- und Sicherheitssystem GMDSS (Global Maritime Distress and Safety System) teilnehmen will.

Als Skipper müssen wir uns die Frage beantworten, in welchem Fahrtgebiet wir unterwegs sind? Fahren wir nur im Binnenbereich oder begeben wir uns auch in Seegewässer? Brauchen wir nur Binnenschifffahrtsfunk oder auch Seefunk?