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Venedig mit dem Trailerboot

REPORT MIT DEM TRAILERBOOT NACH VENEDIG

Wenn die Gondeln Außenbordmotoren tragen …

Venedig! Allein der Name der berühmten Lagunenstadt im Norden der Adria weckt Sehnsucht nach Gondel-Romantik auf engen Kanälen und venezianischem Flair. Doch kann man die Stadt Casanovas auch auf eigenem Kiel erkunden? Während einer Kurzreise haben wir versucht, ein paar Antworten auf diese Frage zu finden.

Venedig gehört zu den am meisten besuchten Städten der Welt. Immer wenn der Name Venedig fällt, entstehen sofort bestimmte Bilder im Kopf. Auch wenn man noch nie dagewesen ist, verbindet man Begriffe wie Canal Grande, Rialto-Brücke, Dogenpalast, Casanova und Markusplatz mit der berühmten Lagunenstadt, einem Sehnsuchtsort. Mit einer Fläche von 5,2 km2 ist die von etwa 59.000 Menschen bewohnte Hauptinsel der Altstadt (Centro Storico) nur ein kleiner Teil der 414 km2 großen Gesamtfläche Venedigs, wobei fast 257 km2 auf Wasserflächen entfallen. In der sich über 50 km Länge erstreckenden Lagune zwischen den Mündungen der Flüsse Etsch im Süden und Piave im Norden befinden sich 118 Inseln. Die Lagune wird von 60 km langen Sandbänken zur Adria abgegrenzt. Nur drei Prozent der insgesamt 550 km2 großen Lagunenfläche ist mit Inseln bedeckt, der Rest besteht aus Watt- und Marschland und Fischfanggünden. Wer Venedig aus dem Flugzeug betrachtet, der schaut auf eine Wasserfläche, die, was die sichtbaren Untiefen betrifft, den Boddengewässern vor Rügen nicht ganz unähnlich ist. Für Paddler und motorisierte Wassersportler ist die Lagune von Venedig ein Eldorado, in dem man einige Besonderheiten beachten muss – doch dazu kommen wir später…

Das Fahrwasser in der Lagune von Venedig wird mit Dalben (Briccole) gekennzeichnet / The fairway in the lagoon of Venice is marked with Briccole

Der Freitagmorgen bringt Sonne und damit sofort gute Laune. Nach dem Frühstück mit Kaffee, Baguettes und Croissants in der als Frühstücksraum fungierenden Campingplatz-Pizzeria kann es Frank kaum erwarten, sein pechschwarzes Schätzchen ins Wasser zu bringen. Nach deutschen Normen müsste man der Anlage und dem kleinen Hafen ganze fünf Sterne verleihen und so ist es selbstverständlich, dass Boote jederzeit gekrant werden können. Je nach Bootslänge betragen die Preise für das Einholen und Ausbooten pro Arbeitsgang zwischen 30 und 525 Euro. Boote mit bis zu 6,00 m Länge sind mit 65 Euro dabei. Kaum ist die schmucke “Venezia 5”, ein modifiziertes und individuelles Einzelstück auf der Basis einer “St. Tropez 5” von B1-Yachts im Wasser, beginnt Frank Schaper auch schon, das nur 4,92 m lange und mit einem 100-PS-Honda motorisierte Schmuckstück für die spätere Übergabe vorzubereiten. Gegen 10.00 Uhr setzen wir am Heck die italienische Flagge und fahren über den Canale di Fusina gemütlich zur in Sichtweite liegenden Lagunenstadt, lassen das riesige Terminal der Kreuzfahrtschiffe backbords liegen und biegen steuerbords in das brodelnde Fahrwasser des viel befahrenen und auch von den Kreuzfahrtschiffen frequentierten Canale de Giudecca ein. Hier überrascht uns heftiges Kabbelwasser mit gut einen Meter hohen Wellen. Unzählige kleine Boote, Schaluppen, Barkassen, Wassertaxis, Wasserbusse und Gondeln sorgen für allerlei Hektik. Und was macht unsere “Venezia 5”? Trotz seiner vergleichsweise geringen Länge geht das Boot erstaunlich souverän durchs Wasser, steckt Querwellen locker weg und taucht nie mit dem Bug ein. Vorbei am mondänen Hilton-Molino-Stucky-Venice, einem rot geklinkerten ehemaligen Industriebau, in dessen luxuriöser Tower-Suite schon eine bekannte und schrecklich-glamouröse RTL2-Familie nächtigte, steuern wir nun mit geradem Kurs unseren Treffpunkt im kleinen Hafen Faro San Giorgio Maggiore an, der unterhalb der Kirche San Giorgio Maggiore und gegenüber des Markusplatzes liegt… (Auszug)

Nach dem Essen starten wir mit der schmucken “Venezia 5” in einer Herrenrunde in die weitläufige Lagune. Vorbei an unbewohnten Landwirtschaftsinseln und verschwiegenen Badestellen der Venezianer sowie entlang der Insel Sant’ Erasmo, besuchen wir zuerst die durch ihre Spitzenstickerei bekannt gewordene Insel Burano, deren üppige Farbenpracht in Gestalt bunt bemalter Häuser seit jeher Maler und Fotografen magisch anzieht. Der schiefe Glockenturm (Campanile) der Kirche San Martino ist weithin sichtbar und sieht aus, als würde er jeden Moment umkippen. Nach Burano machen wir einen Abstecher zur nördlich liegenden l’isola di Torcello, wo das kleine Hotelrestaurant “Locanda Cipriani” schon berühmte Gäste wie Lady Di, König Juan Carlos von Spanien oder Elton John empfing und als einer der Lieblingsorte von Ernest Hemingway galt (www.locandacipriani.com). Auf dem Rückweg bietet sich ein Zwischenstopp an einem neben dem Fahrwasser liegenden Franziskaner-Kloster an. Leider droht das Wetter umzuschlagen, am Horizont ziehen dunkle Wolken auf und deshalb verschieben wir den Besuch der Glasbläserinsel Murano auf den nächsten Tag. Wir verabschieden uns und fahren mit der “Venezia 5” über den Canale de Giudecca vorbei am Markusplatz wieder zurück nach Fusina. Die Wasserwege sind uns mittlerweile geläufig und es ist plötzlich so, als sei ein Bootstrip nach Venedig die normalste Sache der Welt – man muss es eben nur machen! Den Abend verbringen wir in der gemütlichen Pizzeria des Campingplatzes, wo wir schon dem nächsten Tag entgegenfiebern… (Auszug)

Gondel- und Bootsverkehr an der Rialto-Brücke im Canal Grande in Venedig / Gondola and boat traffic on the Rialto Bridge in the Grand Canal in Venice /

  • Bunt bemalte Häuser auf der Fischer-Insel Burano ziehen Maler und Fotografen an / Colorful painted houses on Fisherman's Island Burano attract painters and photographers